1. Silicium-Gasphasenepitaxie
Epitaxie bedeutet "obenauf" oder "zugeordnet", und stellt einen Prozess dar, bei dem eine Schicht auf einer anderen Schicht erzeugt wird und deren Kristallstruktur übernimmt. Ist die abgeschiedene Schicht aus dem gleichen Material wie die Unterlage spricht man von Homoepitaxie, bei zwei unterschiedlichen Materialien von Heteroepitaxie. Der bedeutendste Fall bei der Homoepitaxie ist die Abscheidung von Silicium auf Silicium, bei der Heteroepitaxie wächst ein anderes Material auf, etwa Silicium-Germanium auf Silicium oder Galliumnitrid auf Silicium und Saphir. Voraussetzung ist eine kristalline Unterlage: Auf einer amorphen Schicht wie Siliciumdioxid wächst nichts Einkristallines auf. Silicium-auf-Isolator-Scheiben (Silicon On Insulator, SOI) entstehen deshalb nicht durch Epitaxie, sondern indem zwei Scheiben verbunden und eine davon bis auf eine dünne Schicht abgetragen wird.
Die Homoepitaxie
Je nach Prozess können die Wafer bereits vom Hersteller mit einer Epitaxieschicht geliefert werden (z.B. in der CMOS-Technik), oder der Chiphersteller muss dies selbst durchführen (z.B. in der Bipolartechnik).
Als Gase zur Erzeugung der Schicht benutzt man reinen Wasserstoff in Verbindung mit Silan (SiH4), Dichlorsilan (SiH2Cl2) oder Siliciumtetrachlorid (SiCl4). Bei ca. 1000 °C spalten die Gase das Silicium ab, das sich auf der Waferoberfläche absetzt. Das Silicium übernimmt die Struktur des Substrats und wächst dabei aus energetischen Gründen Ebene für Ebene nacheinander auf. Damit das Silicium nicht polykristallin aufwächst, muss immer ein Mangel an Siliciumatomen vorherrschen, d.h. es steht immer etwas weniger Silicium zur Verfügung, als aufwachsen könnte. Beim Siliciumtetrachlorid verläuft die Reaktion in zwei Schritten:
Damit das Silicium auf dem Substrat die Struktur des Kristalls übernehmen kann, muss die Oberfläche absolut rein sein, dabei macht man sich die Gleichgewichtsreaktion zu Nutze. Beide Reaktionen können auch in die andere Richtung verlaufen, je nachdem wie das Verhältnis der eingesetzten Gase ist. Befindet sich nur wenig Wasserstoff in der Atmosphäre wird, wie beim Trichlorsilanprozess zur Reinigung des Siliciums, auf Grund der hohen Chlorkonzentration Silicium von der Waferoberfläche abgetragen. Erst mit zunehmender Konzentration von Wasserstoff wird ein Wachstum erzielt.
Die Aufwachsrate beträgt bei SiCl4 ca. 1–2 µm pro Minute. Da das einkristalline Silicium nur auf der gereinigten Oberfläche aufwächst, kann man mit Oxid bestimmte Bereiche maskieren, auf denen dann polykristallines Silicium aufwächst. Dieses wird jedoch im Vergleich zu einkristallinem Silicium sehr leicht durch die rückwärts ablaufende Reaktion abgeätzt. Werden den Prozessgasen noch Diboran (B2H6) oder Phosphin (PH3) hinzugefügt, kann man dotierte Schichten erzeugen, da sich die Dotiergase bei den hohen Temperaturen zersetzen und die Dotierstoffe im Kristallgitter eingebaut werden.
Der Prozess zur Herstellung von Homoepitaxieschichten wird im Vakuum durchgeführt. Dabei wird die Prozesskammer zunächst auf 1200 °C aufgeheizt, damit sich das natürliche Oxid, das sich immer auf der Siliciumoberfläche bildet, verflüchtigt. Wie oben erwähnt, kommt es bei zu geringer Wasserstoffkonzentration zu einer Rückätzung der Wafer. Dies macht man sich vor dem eigentlichen Prozess zu Nutze, indem man auf diese Weise die Oberfläche der Wafer reinigt. Durch Veränderung der Gaskonzentrationen findet dann die Abscheidung in einer Epitaxieanlage statt.
Darstellung eines Barrelreaktors zur Epitaxieabscheidung
Selektive Epitaxie und verspannte Schichten
Der oben beschriebene Umstand, dass einkristallines Silicium nur auf freiliegendem Silicium aufwächst und polykristallines Material durch die rückwärts laufende Reaktion wieder abgetragen wird, ist heute kein Nebeneffekt mehr, sondern die Grundlage eines eigenen Verfahrens. Bei passend gewähltem Chlorgehalt wächst die Schicht ausschließlich in den geöffneten Fenstern und gar nicht auf Oxid oder Nitrid – man spricht von selektiver Epitaxie.
Ihre wichtigste Anwendung liegt nicht darin, Silicium zu ergänzen, sondern darin, es zu verspannen. Wird in die Source- und Draingebiete eines Transistors statt Silicium eine Silicium-Germanium-Legierung eingewachsen, so beansprucht diese wegen der größeren Germaniumatome mehr Platz, als das Gitter vorsieht. Sie drückt dadurch auf den dazwischenliegenden Kanal. In einem so gestauchten Gitter bewegen sich Löcher deutlich leichter, der Transistor schaltet schneller. Für den umgekehrten Fall – Zug auf den Kanal, günstig für Elektronen – wird Silicium-Kohlenstoff verwendet. Diese verspannten Schichten gehören seit Mitte der 2000er Jahre zum Standardaufbau eines jeden Hochleistungstransistors.