1. Einführung & Motivation
Warum Design Rules?
Jeder integrierte Schaltkreis entsteht als geometrisches Layout: eine Abfolge übereinanderliegender Ebenen aus Diffusion, Polysilizium, Kontakten und mehreren Metalllagen, die gemeinsam Transistoren und deren Verdrahtung bilden. Damit dieses Layout auf dem Wafer korrekt und zuverlässig gefertigt werden kann, muss es eine Reihe geometrischer Randbedingungen einhalten – die sogenannten Design Rules. Sie übersetzen die physikalischen Grenzen eines Fertigungsprozesses in konkrete Vorgaben für den Chip-Entwurf.
Diese Grenzen ergeben sich aus mehreren Quellen zugleich. Die Lithografie kann Strukturen nur bis zu einer bestimmten Auflösung sauber abbilden; darunter verschwimmen Kanten oder Strukturen reißen ab. Masken lassen sich beim Belichten nicht beliebig genau zueinander justieren, sodass zwischen aufeinanderfolgenden Ebenen ein Sicherheitsabstand für Justierfehler eingeplant werden muss. Ätz- und Abscheideprozesse streuen von Wafer zu Wafer und über die Waferfläche, sodass Mindestabstände auch elektrische Kurzschlüsse durch Prozessschwankungen verhindern müssen. Hinzu kommen Effekte wie Latchup in CMOS-Wannenstrukturen oder Ladungsschäden durch das sogenannte Antenna-Phänomen, die zusätzliche, elektrisch motivierte Regeln erfordern.
Design Rules sind damit immer ein Kompromiss: Großzügige Abstände erhöhen die Fertigungsausbeute und Zuverlässigkeit, kosten aber Chipfläche und damit Kosten. Enge, aggressive Regeln erlauben höhere Packungsdichte, verringern aber die Ausbeute und erhöhen das Risiko von Fertigungsfehlern. Jede Foundry veröffentlicht für ihren jeweiligen Prozess einen vollständigen Regelsatz, der von automatisierten Werkzeugen (Design Rule Check, DRC) gegen das fertige Layout geprüft wird, bevor eine Maske belichtet werden darf.