1. Einführung & Motivation
Warum DRC allein nicht reicht
Ein Layout, das den Design Rule Check vollständig besteht, ist geometrisch einwandfrei: Alle Breiten, Abstände, Umschließungen und Dichten liegen innerhalb der zulässigen Grenzen. Das sagt jedoch nichts darüber aus, ob die gezeichneten Polygone tatsächlich die Schaltung realisieren, die im Schaltplan entworfen wurde. Ein fehlender Kontakt, zwei vertauschte Anschlüsse oder ein versehentlich doppelt gezeichneter Transistor verletzen keine einzige Design Rule – das Layout bleibt „DRC clean", obwohl die Schaltung elektrisch nicht mehr dem Entwurf entspricht.
Solche Fehler entstehen leicht: Beim manuellen Route eines komplexen Blocks, beim Kopieren und Anpassen bestehender Layoutzellen oder schlicht durch einen vergessenen Verbindungsschritt. Je größer der Chip, desto unwahrscheinlicher wird es, einen einzelnen fehlenden Kontakt unter Millionen von Strukturen visuell zu entdecken.
Die Idee hinter LVS
Der Layout-versus-Schematic-Vergleich (LVS) löst dieses Problem, indem er nicht die Geometrie selbst prüft, sondern die daraus resultierende Schaltungstopologie. Aus dem physischen Layout wird automatisiert eine Netzliste extrahiert – eine Liste aller Bauelemente (Transistoren, Widerstände, Kapazitäten) mit ihren Anschlüssen und den Netzen, die sie verbinden. Diese extrahierte Netzliste wird anschließend mit einer Referenz-Netzliste verglichen, die direkt aus dem Schaltplan stammt.
Stimmen beide Netzlisten überein – dieselben Bauelemente, dieselben Verbindungen, dieselben Bauelement-Parameter – gilt das Layout als „LVS clean". Jede Abweichung wird als Mismatch gemeldet und muss vor dem nächsten Schritt im Entwurfsablauf behoben werden. LVS ist damit die notwendige Ergänzung zum DRC: Der DRC stellt sicher, dass das Layout fertigbar ist, der LVS stellt sicher, dass das Gefertigte auch die richtige Schaltung ist.