1. Das Prinzip der Opferschicht
Um eine frei bewegliche Struktur zu erzeugen – etwa einen auskragenden Balken oder eine Membran –, kann man sie nicht einfach direkt auf dem Substrat abscheiden: Sie würde fest mit dem darunterliegenden Material verbunden bleiben und sich nicht bewegen können. Die Opferschichttechnik löst dieses Problem, indem zunächst eine temporäre Zwischenschicht (die Opferschicht) auf dem Substrat abgeschieden wird. Auf dieser Opferschicht wird anschließend die eigentliche Funktionsschicht (die Strukturschicht) aufgebracht und strukturiert. Am Ende des Prozesses wird die Opferschicht selektiv weggeätzt – sie „opfert" sich also, damit die Strukturschicht freisteht.
Ein klassisches Materialpaar ist Siliciumdioxid als Opferschicht und Polysilicium als Strukturschicht: Beide lassen sich mit etablierten CVD-Prozessen abscheiden, und Flusssäure (HF) ätzt SiO₂ sehr selektiv, ohne das Polysilicium nennenswert anzugreifen.