1. Das 2DEG: Grundlage des HEMT
Wächst man eine dünne AlGaN-Schicht auf GaN, entsteht an der Grenzfläche durch spontane und piezoelektrische Polarisation ein extrem dünnes, hochbewegliches Elektronengas – das zweidimensionale Elektronengas (2DEG). Beide Polarisationsanteile addieren sich bei der üblichen Ga-polaren Wachstumsrichtung: Die spontane Polarisation entsteht durch die fehlende Inversionssymmetrie der Wurtzit-Kristallstruktur, die piezoelektrische Polarisation zusätzlich durch die mechanische Verspannung der dünnen AlGaN-Schicht auf dem darunterliegenden GaN. Die resultierende Polarisationsladung an der Grenzfläche zieht freie Elektronen an, die sich in einem nur wenige Nanometer dünnen Kanal direkt unterhalb der Grenzfläche sammeln.
Anders als beim Si-MOSFET braucht dieser leitfähige Kanal keine Dotierung: Er entsteht rein durch die Polarisationsladung an der AlGaN/GaN-Heterogrenzfläche und erreicht Elektronenbeweglichkeiten, die deutlich über denen von dotiertem Volumenmaterial liegen, weil die Elektronen im 2DEG räumlich von den ionisierten Störstellen getrennt sind, an denen sie sonst gestreut würden (ein Effekt, der als Modulationsdotierung bekannt ist und auch in III-V-HEMTs für die HF-Technik genutzt wird). Typische Flächenladungsträgerdichten liegen im Bereich von 1×10¹³ cm⁻², bei Beweglichkeiten von mehreren tausend cm²/Vs. Diese Struktur ist die Basis des HEMT (High Electron Mobility Transistor) und ermöglicht die im nächsten Absatz beschriebene extrem schnelle Schaltfähigkeit von GaN-Leistungstransistoren.