1. SiC-Kristallwachstum: Physical Vapor Transport
Anders als Silizium lässt sich SiC nicht aus der Schmelze ziehen – bei den nötigen Temperaturen sublimiert SiC, statt zu schmelzen, da bei Normaldruck kein flüssiger Aggregatzustand existiert (SiC zersetzt sich oberhalb von etwa 2830 °C direkt in die Gasphase). Ein Czochralski- oder Bridgman-Verfahren wie bei Silizium scheidet damit von vornherein aus. Stattdessen kommt das PVT-Verfahren (Physical Vapor Transport, auch modifizierte Lely-Methode) zum Einsatz: Ein SiC-Pulvervorrat wird auf über 2000 °C erhitzt und sublimiert, die Gasphase – bestehend im Wesentlichen aus Si, Si2C und SiC2 – wandert entlang eines Temperaturgradienten zu einem kühleren SiC-Keimkristall und kristallisiert dort epitaktisch.
Der Prozess läuft über Tage bis Wochen und wächst eine zylindrische Boule, aus der anschließend Wafer gesägt werden. Die Wachstumsgeschwindigkeit liegt typischerweise nur bei wenigen hundert Mikrometern pro Stunde, was den Prozess vergleichsweise langsam und kostenintensiv macht – ein wesentlicher Grund für die bis heute höheren Substratkosten von SiC gegenüber Silizium. Die präzise Kontrolle des Temperaturgradienten im geschlossenen Graphittiegel ist entscheidend, um eine gleichmäßige, defektarme Kristallisation über den gesamten Boulendurchmesser sicherzustellen; Abweichungen führen schnell zu Mikroröhren, Versetzungen oder parasitären Polytyp-Einschlüssen. Nach dem Sägen folgen aufwendige Läpp-, Polier- und CMP-Schritte, bis eine epitaxiefähige Waferoberfläche mit atomar glatter Terrassenstruktur erreicht ist.