Halbleitertechnologie von A bis Z

Alles über Halbleiter und die Waferfertigung

1. Das Prinzip

Eine Through-Silicon Via ist eine vertikale, elektrisch leitfähige Verbindung, die komplett durch das Silicium-Substrat eines Dies hindurchgeführt wird. Anders als klassische Verdrahtungsebenen, die ausschließlich auf der Chipoberfläche liegen, erschließt die TSV die dritte Dimension: Signale und Versorgungsspannungen können von der Vorderseite eines Dies direkt zur Rückseite – und damit zum nächsten gestapelten Die – geführt werden, ohne den Umweg über Bond-Drähte am Chiprand.

2. Herstellungsprozess

Der Prozess gliedert sich grob in drei Schritte, die sich durch den Zeitpunkt der Via-Erzeugung relativ zur restlichen Fertigung unterscheiden:

  • Via-first: Die TSV wird vor der Transistorfertigung in den nackten Wafer geätzt. Dieser Ansatz erlaubt hochtemperaturstabile Füllmaterialien wie polykristallines Silicium, ist aber mit modernen CMOS-Prozessen schwer vereinbar.
  • Via-middle: Die TSV entsteht nach der Transistorfertigung (FEOL), aber vor der Metallisierung (BEOL). Dies ist heute der industriell dominante Ansatz, da er die etablierte Transistorfertigung unangetastet lässt.
  • Via-last: Die TSV wird erst nach vollständiger Chipfertigung, teils sogar von der Waferrückseite aus, geätzt. Vorteil ist die vollständige Entkopplung von der Vorderseiten-Prozessierung.

Die eigentliche Via wird mittels Deep Reactive Ion Etching (Bosch-Prozess, siehe Trockenätzen-Kapitel) geätzt und erreicht dabei Aspektverhältnisse von 10:1 oder höher – typische Durchmesser liegen bei 5–10 µm, bei Tiefen von 50–100 µm.

3. Isolation und Cu-Füllung

Da das umgebende Silicium selbst halbleitend ist, muss die Via-Wand zunächst mit einer dünnen Oxidschicht (meist per PECVD, siehe Abscheidung-Kapitel) elektrisch isoliert werden. Anschließend folgt eine Barriereschicht (typischerweise Ta/TaN), die die Diffusion von Kupfer in das Silicium verhindert – dieselbe Problematik wie bei der Kupfermetallisierung (siehe Kupfertechnologie-Kapitel). Erst danach wird die Via elektrochemisch mit Kupfer aufgefüllt.

Aufbau einer TSV im Querschnitt

Querschnitt einer Through-Silicon Via mit Kupferkern, Barriereschicht und Oxid-Isolation

4. Herausforderungen beim Aspektverhältnis

Je höher das Aspektverhältnis, desto schwieriger die vollständige, void-freie Kupferfüllung – ähnlich der Spaltfüllungsproblematik bei CVD-Verfahren, nur in deutlich größerem Maßstab. Zusätzlich erzeugt das eingefüllte Kupfer aufgrund seines gegenüber Silicium stark abweichenden thermischen Ausdehnungskoeffizienten mechanische Spannungen im umgebenden Material, die die Transistor-Performance in unmittelbarer TSV-Nähe beeinträchtigen können („Keep-out Zone“).