1. Das Prinzip der Filamentbildung
ReRAM speichert Information über den elektrischen Widerstand eines dünnen Metalloxidfilms, der zwischen zwei Elektroden eingebettet ist – eine Struktur, die aufgrund ihrer Einfachheit oft als „MIM-Struktur“ (Metal-Insulator-Metal) bezeichnet wird. Im Ausgangszustand nach der Fertigung ist dieser Oxidfilm weitgehend isolierend und homogen. Durch Anlegen einer ausreichend hohen Spannung im sogenannten Forming-Schritt (einmalig bei der ersten Aktivierung der Zelle) wandern Sauerstoff-Leerstellen innerhalb des Oxidgitters – bei anderen Materialsystemen alternativ Metallionen aus einer der Elektroden – entlang des elektrischen Feldes und ordnen sich zu einem dünnen, leitfähigen Pfad an: einem sogenannten Filament, oft nur wenige Nanometer im Durchmesser. Dieses Filament überbrückt die isolierende Schicht lokal und senkt den Widerstand der Zelle an dieser Stelle drastisch, während der übrige Oxidfilm isolierend bleibt.
Physikalisch handelt es sich dabei um einen elektrochemischen Vorgang: Die Sauerstoff-Leerstellen wirken als positiv geladene Defekte im Oxidgitter (da an der jeweiligen Gitterposition ein negativ geladenes Sauerstoffion fehlt) und lassen sich durch ein elektrisches Feld gezielt bewegen, ganz ähnlich der Ionenmigration in einem Festkörperelektrolyten. Diese Eigenschaft – Widerstandsänderung durch Ionenbewegung statt durch Ladungsspeicherung – unterscheidet ReRAM grundlegend von Flash und rückt es in die Nähe memristiver Bauelemente.