1. Die optische Übertragungskette
Die vorangegangenen drei Kapitel behandelten LED, Laserdiode und Photodiode als einzelne Bauelemente – in der Praxis funktionieren sie jedoch fast nie isoliert, sondern als Glieder einer Übertragungskette: Sender (LED oder Laserdiode) → Übertragungsmedium (Glasfaser oder freier Raum) → Empfänger (Photodiode). Diese Kette macht deutlich, warum die Materialwahl in den vorherigen Kapiteln so eng gekoppelt war: Ein InGaAsP-DFB-Laser bei 1,55 µm ergibt nur dann ein funktionierendes System, wenn am anderen Ende eine InGaAs-Photodiode mit passender Responsivität in genau diesem Wellenlängenfenster sitzt – Sender und Empfänger sind kein zufälliges Materialpaar, sondern eine aufeinander abgestimmte Systemkomponente.
Bei der Systemauslegung addieren sich die Wirkungsgrade und Verluste jeder Stufe: die Wall-Plug-Efficiency des Senders, die Einkoppeleffizienz in die Faser (typischerweise der verlustreichste Schritt bei Kantenemittern, ein Grund für die zunehmende VCSEL-Nutzung mit ihrem runden, gut koppelbaren Strahlprofil), die Faserdämpfung über die Streckenlänge sowie schließlich die Empfängerempfindlichkeit der Photodiode. Die Leistungsbilanz (Link-Budget) aus Sendeleistung minus aller Verluste muss am Ende oberhalb der minimal detektierbaren Leistung der Photodiode liegen – reicht die Marge nicht aus, kommen Zwischenverstärker (optische Faserverstärker) oder empfindlichere APD-Empfänger zum Einsatz.