1. Vom LED zum Laser: Besetzungsinversion und stimulierte Emission
Der fundamentale Unterschied zwischen LED und Laserdiode liegt nicht im Grundaufbau – beide basieren auf einem pn-Übergang aus direktem Halbleiter –, sondern im Emissionsmechanismus. Eine LED erzeugt Licht durch spontane Emission: Ein angeregtes Elektron rekombiniert zu einem zufälligen Zeitpunkt mit einem Loch, das entstehende Photon hat eine zufällige Phase und Richtung. Ein Laser hingegen nutzt stimulierte Emission: Ein bereits vorhandenes Photon trifft auf ein angeregtes Elektron-Loch-Paar und löst dessen Rekombination aus – das neu entstehende Photon ist dabei in Phase, Richtung und Wellenlänge exakt identisch mit dem auslösenden Photon. Dieser Verstärkungsmechanismus (Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation) erzeugt kohärentes Licht, im Gegensatz zum inkohärenten LED-Licht.
Damit stimulierte Emission gegenüber Absorption überwiegt, muss im aktiven Medium Besetzungsinversion herrschen: Es müssen mehr Elektronen im energetisch höheren Leitungsband-Zustand vorhanden sein als im niedrigeren Valenzband-Zustand – ein Zustand, der im thermischen Gleichgewicht nie auftritt und daher aktiv durch hohe Injektionsstromdichte erzwungen werden muss. Bei Halbleiterlasern übernimmt der stark in Durchlassrichtung gepumpte pn-Übergang diese Aufgabe: Oberhalb eines bestimmten Schwellstroms kippt das Verhältnis, optische Verstärkung setzt ein, und aus spontaner Emission wird zunehmend stimulierte Emission.