1. Aufbau und Funktionsprinzip
Eine LED ist im Kern ein in Durchlassrichtung betriebener pn-Übergang aus einem direkten Halbleiter. Legt man eine Vorwärtsspannung an, senkt sich die Potentialbarriere der Raumladungszone, und Elektronen aus der n-Seite sowie Löcher aus der p-Seite werden über die Verarmungszone hinweg injiziert – man spricht von Minoritätsträgerinjektion. Im aktiven Bereich treffen beide Ladungsträgertypen aufeinander und rekombinieren strahlend, wie im Grundlagenkapitel beschrieben; die Photonenenergie entspricht dabei näherungsweise der Bandlücke des Materials, leicht reduziert durch die thermische Energieverteilung der Ladungsträger (daher ist das Emissionsspektrum kein scharfer Peak, sondern hat eine spektrale Breite von typischerweise 20–30 nm bei Raumtemperatur). Anders als beim Si-pn-Übergang, der primär als Diode oder Solarzelle genutzt wird, ist bei der LED die Lichtemission der eigentliche Zweck, nicht Nebeneffekt.
Die Durchlassspannung einer LED korreliert direkt mit der Bandlücke: Faustregel V_f ≈ E_g/e, leicht erhöht durch Serienwiderstände und Kontaktverluste. Eine rote AlGaInP-LED (E_g ≈ 2 eV) hat daher eine typische Flussspannung um 1,8–2,2 V, eine blaue InGaN-LED (E_g ≈ 2,7 eV) liegt bei 2,8–3,4 V – deutlich höher als bei einer klassischen Si-Diode (≈0,7 V), was sich direkt in der benötigten Betriebsspannung von LED-Schaltungen niederschlägt. Der Wirkungsgrad hängt entscheidend davon ab, wie viele Ladungsträger tatsächlich strahlend statt nichtstrahlend rekombinieren – gesteuert durch Dotierqualität, Defektdichte und Grenzflächenzustände im Kristall, die als Rekombinationszentren wirken und Ladungsträger ohne Photonemission "verschlucken".