1. Epitaxie: MOCVD und MBE
Die Herstellung optoelektronischer Bauelemente beginnt mit epitaktischem Kristallwachstum – anders als bei vielen elektronischen Bauelementen reicht hier eine einfache Dotierung des Substrats nicht aus, da die aktive Zone aus mehreren exakt kontrollierten Heteroschichten (Barrieren, Quantum Wells, DBR-Stapel) besteht, deren Dicke und Zusammensetzung die Emissionswellenlänge direkt festlegen. Bereits kleinste Kristalldefekte – Versetzungen, Punktdefekte, Verunreinigungen – wirken als nichtstrahlende Rekombinationszentren und senken die Quanteneffizienz direkt messbar. Während ein MOSFET Defektdichten im Bereich von 10⁴–10⁵ cm⁻² noch toleriert, führen dieselben Defektdichten in einer LED-aktiven-Zone bereits zu spürbaren Effizienzeinbußen; kommerzielle GaN-LEDs benötigen Versetzungsdichten deutlich unter 10⁸–10⁹ cm⁻², idealerweise darunter.
MOCVD (Metal-Organic Chemical Vapor Deposition, auch MOVPE genannt) ist der Industriestandard für die Massenproduktion. Metallorganische Precursoren – etwa Trimethylgallium (TMGa), Trimethylindium (TMIn), Trimethylaluminium (TMAl) – und Hydride (Ammoniak NH₃ für Stickstoffverbindungen, Arsin AsH₃ oder Phosphin PH₃ für Arsenide/Phosphide) werden im Trägergasstrom (meist Wasserstoff oder Stickstoff) über das auf 600–1100 °C beheizte Substrat geleitet und zersetzen sich dort thermisch (Pyrolyse), wobei die freiwerdenden Atome sich an der Wachstumsfront einbauen. Das Verfahren arbeitet bei Atmosphärendruck oder moderatem Unterdruck, erlaubt hohen Durchsatz bei mehreren Wafern gleichzeitig in Planetenreaktoren und dominiert daher die kommerzielle LED- und Laserfertigung nahezu vollständig.
MBE (Molecular Beam Epitaxy) arbeitet dagegen im Ultrahochvakuum (unter 10⁻¹⁰ mbar) mit Molekularstrahlen aus effusionszellenverdampften Elementen, die ohne chemische Reaktion direkt auf dem Substrat kondensieren. Die Wachstumsrate liegt mit typisch einer Monolage pro Sekunde deutlich unter MOCVD-Raten, dafür lässt sich die Schichtdicke bis auf die Monolage präzise kontrollieren und in situ mittels RHEED (Reflection High-Energy Electron Diffraction) überwachen – die Beugungsreflexe zeigen in Echtzeit, ob die Oberfläche atomar glatt wächst. Wegen des geringeren Durchsatzes und höheren Anlagenaufwands bleibt MBE vor allem der Forschung und Spezialanwendungen mit besonders anspruchsvollen Heterostrukturen vorbehalten, etwa bei VCSEL-DBR-Stapeln mit extrem scharfen Grenzflächen.
Eine zentrale Herausforderung bei beiden Verfahren ist die Gitteranpassung: Wächst man ein Material mit abweichender Gitterkonstante auf einem Substrat, entstehen Verspannungen, die ab einer kritischen Schichtdicke (oft nur wenige Nanometer bei starker Fehlanpassung) durch Versetzungsbildung relaxieren – mit direkt messbarer Auswirkung auf die spätere Bauelementeffizienz. GaN etwa wird mangels wirtschaftlich verfügbarer GaN-Volumensubstrate meist auf Saphir (Al₂O₃) oder SiC aufgewachsen, trotz erheblicher Gitterfehlanpassung von bis zu 16 % bei GaN-auf-Saphir. Eine dünne AlN- oder GaN-Nukleationsschicht bei niedriger Temperatur (500–600 °C) dient dabei als Pufferschicht: Sie wächst zunächst amorph bis polykristallin auf, wird dann ausgeheizt und rekristallisiert, wodurch ein Teil der Verspannung abgebaut wird, bevor das eigentliche einkristalline GaN-Wachstum bei 1000–1100 °C fortgesetzt wird.