1. Photovoltaischer Effekt: Grundprinzip
Die Solarzelle nutzt denselben physikalischen Grundmechanismus wie die in Kapitel 4 behandelte Photodiode – Absorption eines Photons erzeugt ein Elektron-Loch-Paar, das im elektrischen Feld der Raumladungszone eines pn-Übergangs getrennt wird –, verfolgt damit aber ein grundlegend anderes Ziel. Während die Photodiode als Detektor optimiert ist und typischerweise in Sperrrichtung betrieben wird, um eine breite, feldstarke Raumladungszone für hohe Geschwindigkeit und Empfindlichkeit zu erzeugen, arbeitet die Solarzelle ohne externe Vorspannung: Sie soll selbst elektrische Leistung erzeugen, nicht nur ein Signal registrieren. Die Diode wird hier als Generator betrieben, nicht als Verbraucher – ein Betriebszustand, den man im Diodenkennlinienfeld als vierten Quadranten bezeichnet, in dem Strom und Spannung entgegengesetzte Vorzeichen relativ zur üblichen Diodenkonvention haben.
Zwei Grenzfälle beschreiben das Verhalten der beleuchteten Zelle. Wird die Zelle kurzgeschlossen (Klemmenspannung U = 0), fließt der Kurzschlussstrom Isc – praktisch der gesamte durch Photonen erzeugte Strom, da kein Gegenfeld die Ladungsträger am Verlassen der Zelle hindert. Wird die Zelle dagegen im Leerlauf betrieben (kein Stromfluss, offene Klemmen), baut sich die Leerlaufspannung Uoc auf: Die photogenerierten Ladungsträger sammeln sich an den Kontakten, bis das dadurch entstehende Gegenfeld den photoinduzierten Diffusionsstrom exakt kompensiert. Zwischen diesen beiden Extremen – Kurzschluss und Leerlauf – liegt der gesamte nutzbare Arbeitsbereich der Zelle, in dem tatsächlich elektrische Leistung P = I·U an einen externen Verbraucher abgegeben wird.
Anders als bei der Photodiode ist bei der Solarzelle die aktive Fläche maximiert statt minimiert: Photodioden sind oft klein und schnell, Solarzellen dagegen groß (typisch 15×15 cm oder größer bei Si-Wafern) und auf maximale Lichtsammlung optimiert. Diese Flächenoptimierung bringt eigene Herausforderungen mit sich – insbesondere den lateralen Serienwiderstand beim Abtransport des erzeugten Stroms zu den Kontakten, ein Thema, das im Absatz zum inneren Aufbau vertieft wird.