1. Grundlagen & idealer Operationsverstärker
Der Operationsverstärker (OpAmp) ist der zentrale Baustein der analogen Schaltungstechnik. Er verstärkt die Spannungsdifferenz zwischen seinen beiden Eingängen – dem invertierenden (–) und dem nicht-invertierenden (+) Eingang – um einen sehr hohen Faktor, die Leerlaufverstärkung A0.
Der ideale OpAmp besitzt vier Eigenschaften, die als Näherung für die Handrechnung von Schaltungen dienen:
- unendliche Leerlaufverstärkung (A0 → ∞)
- unendlicher Eingangswiderstand (kein Eingangsstrom)
- Ausgangswiderstand null (ideale Spannungsquelle am Ausgang)
- unendliche Bandbreite
In einer gegengekoppelten Schaltung (z. B. Verstärker mit Widerstandsnetzwerk) folgt aus der hohen Leerlaufverstärkung die virtuelle Masse: Die Spannungsdifferenz zwischen den beiden Eingängen wird durch die Rückkopplung auf nahezu null geregelt, obwohl kein direkter leitender Kontakt zwischen ihnen besteht. Dieses Prinzip ist die Grundlage für die Analyse nahezu aller OpAmp-Grundschaltungen (Invertierer, Nicht-Invertierer, Integrator, Differenzverstärker).
Reale OpAmps weichen von diesem Idealbild ab: endliche Verstärkung, endliche Bandbreite, Eingangsströme (Bias-Ströme durch die Transistor-Eingangsstufe) und ein Ausgangswiderstand ungleich null. Diese nicht-idealen Effekte werden in den folgenden Absätzen quantifiziert.