Während sich die öffentliche Debatte um Seltene Erden meist auf Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium für Permanentmagnete konzentriert, geraten zwei andere Elemente ins Blickfeld: Erbium und Yttrium. Erbium ist unverzichtbar für optische Verstärker in Glasfaserkabeln, da erbiumdotierte Faserabschnitte Lichtsignale bei genau der Wellenlänge von 1550 Nanometern regenerieren, bei der Quarzglasfasern die geringste Dämpfung aufweisen. Yttrium wiederum ist Bestandteil von yttriumstabilisiertem Zirkonoxid, der Standard-Wärmedämmschicht für Turbinenschaufeln in Flugzeugtriebwerken und Gasturbinen, wie sie zunehmend zur Stromversorgung von Rechenzentren eingesetzt werden.
Die Marktkonzentration bei beiden Rohstoffen ist extrem: Kommerzielle Erbiumoxid-Produktion außerhalb Chinas existiert praktisch nicht, und auch bei Yttrium verarbeitet China nahezu die gesamte weltweit geförderte Menge zu industriell nutzbaren Oxiden. Seit chinesischen Exportbeschränkungen im April und Oktober 2025 sind die Lieferungen instabil geworden; Yttrium-Exporte in die USA liegen 2025 rund 75 Prozent unter dem Vorjahresniveau, während Erbium-Beschränkungen vorerst für ein Jahr ausgesetzt wurden. Im November 2026 steht eine Entscheidung an, ob diese Aussetzungen verlängert oder aufgehoben werden.
Auswirkungen auf Fertigung und Lieferketten
Hersteller von Turbinenbeschichtungen berichten bereits von erheblichen Störungen durch die unregelmäßige Yttrium-Verfügbarkeit, während Alternativmaterialien zwar erforscht, aber noch nicht praxisreif sind. Auch Hersteller erbiumdotierter Glasfaserverstärker sehen sich mit Unsicherheiten in der Rohstoffbeschaffung konfrontiert, zumal die Technologie zunehmend auch in der Freiraumoptik zwischen Satelliten eingesetzt wird. Die US-Regierung hat mit dem milliardenschweren Programm „Project Vault“ begonnen, strategische Vorräte aufzubauen, doch Fachleute bemängeln, dass die Industrie insgesamt kaum auf einen möglichen Lieferausfall vorbereitet ist. Der Fall zeigt exemplarisch, wie stark moderne Fertigungstechnologien von wenigen, geopolitisch konzentrierten Rohstoffquellen abhängen.