1. Warum eine temperaturstabile Referenzspannung?
Viele analoge und digitale Schaltungen benötigen eine Referenzspannung, die unabhängig von Versorgungsspannung, Temperatur und Fertigungsstreuung möglichst konstant bleibt – etwa als Vergleichsspannung für ADCs und DACs, als Grundlage für Spannungsregler oder zur Erzeugung von Referenzströmen. Eine einzelne Diodenspannung oder eine Zener-Diode wäre dafür ungeeignet, da die Durchlassspannung einer Diode mit steigender Temperatur um etwa –2 mV/K abnimmt; über einen typischen Industrietemperaturbereich von –40 bis 125 °C ergäbe sich daraus unkompensiert eine Drift von mehr als 300 mV – für präzise Anwendungen viel zu groß.
Die Bandgap-Referenz löst dieses Problem, indem sie zwei Spannungen mit entgegengesetztem Temperaturverhalten so gewichtet addiert, dass sich ihre Temperaturabhängigkeiten in erster Näherung gegenseitig aufheben. Die resultierende Ausgangsspannung liegt bei etwa 1,2 V, was der auf den absoluten Nullpunkt extrapolierten Bandlücke von Silicium entspricht – daher der Name. Gute integrierte Bandgap-Referenzen erreichen dabei Temperaturkoeffizienten von nur noch 10 bis 50 ppm/K, also mehr als zwei Größenordnungen weniger Drift als eine unkompensierte Diode.