1. Der Volladdierer als Grundbaustein
Der einfachste arithmetische Baustein ist der Halbaddierer, der zwei einzelne Bits addiert und dabei eine Summe (XOR der Eingänge) und einen Übertrag (AND der Eingänge) liefert. Da beim Verketten mehrerer Bitstellen jedoch auch ein Übertrag aus der vorherigen Stelle berücksichtigt werden muss, verwendet man in der Praxis den Volladdierer, der drei Eingänge (die beiden zu addierenden Bits A und B sowie den Übertrag Cin aus der vorherigen Stelle) zu einer Summe und einem Übertrag Cout verrechnet. Ein Volladdierer lässt sich aus zwei Halbaddierern und einem zusätzlichen OR-Gatter aufbauen und benötigt in einer typischen CMOS-Standardzelle etwa 20 bis 28 Transistoren.
Die Boolesche Gleichung Cout = (A AND B) OR (Cin AND (A XOR B)) lässt sich anschaulich als Mehrheitsentscheid lesen: Cout wird genau dann 1, wenn mindestens zwei der drei Eingänge (A, B, Cin) auf 1 liegen – ganz unabhängig davon, welche zwei das sind. Bei A=1, B=1, Cin=0 etwa liefert bereits A AND B den Übertrag; bei A=1, B=0, Cin=1 sind A und B unterschiedlich (A XOR B = 1), und Cin AND (A XOR B) liefert ihn stattdessen. Die Summe dagegen ist 1, wenn eine ungerade Anzahl der drei Eingänge 1 ist (1 oder 3 von 3) – exakt das Verhalten einer dreifachen XOR-Verknüpfung.
Reiht man mehrere Volladdierer aneinander, wobei der Übertragsausgang jeder Stelle zum Übertragseingang der nächsthöheren Stelle wird, entsteht der einfachste Mehrbit-Addierer: der Carry-Ripple-Addierer.