1. Extreme Dotierung erzeugt einen entarteten Übergang
Die Tunneldiode, benannt nach ihrem Entdecker auch Esaki-Diode genannt, wird auf beiden Seiten des pn-Übergangs außergewöhnlich hoch dotiert – typischerweise im Bereich von 1019 bis 1020 cm-3, also um mehrere Größenordnungen stärker als bei gewöhnlichen pn-Dioden, bei denen Dotierkonzentrationen im Bereich von 1015 bis 1017 cm-3 üblich sind. Bei derart hoher Dotierung werden beide Halbleiterbereiche entartet: Das Fermi-Niveau liegt dann nicht mehr, wie bei normal dotierten Halbleitern, innerhalb der verbotenen Bandlücke, sondern rückt bereits in das Leitungsband auf der n-Seite beziehungsweise in das Valenzband auf der p-Seite hinein.
Die dadurch entstehende, extrem dünne Raumladungszone von nur wenigen Nanometern Breite – deutlich schmaler als bei jeder gewöhnlichen Diode – ermöglicht direktes quantenmechanisches Tunneln von Ladungsträgern zwischen den Bändern, ohne dass diese die Bandlücke im klassischen Sinn energetisch überwinden müssten. Dieser Tunnelmechanismus tritt bereits bei sehr kleinen angelegten Spannungen im Bereich weniger zehn bis einiger hundert Millivolt auf, weit unterhalb der üblichen Schwellspannung einer normalen pn-Diode.