1. Die Vierschicht-pnpn-Struktur
Ein Thyristor besteht aus einer Abfolge von vier abwechselnd dotierten Halbleiterschichten (p-n-p-n) mit insgesamt drei pn-Übergängen und lässt sich elektrisch äquivalent als zwei kreuzgekoppelte Bipolartransistoren auffassen – ein pnp-Transistor und ein npn-Transistor, deren Basis- und Kollektorgebiete jeweils miteinander verschaltet sind. Diese Zwei-Transistor-Ersatzschaltung ist exakt dieselbe Struktur, die bereits im Kapitel zu ESD-Schutzstrukturen als parasitärer Effekt in Snapback-Bauelementen auftrat und dort unerwünschtes Latchup verursachen kann; im Thyristor wird dieses Verhalten jedoch nicht als parasitärer Nebeneffekt toleriert, sondern als gezielt genutztes, eigenständiges Leistungsbauelement konstruiert und dimensioniert.
Die drei äußeren Anschlüsse eines Thyristors sind Anode (am äußeren p-Gebiet), Kathode (am äußeren n-Gebiet) und ein Steueranschluss, das Gate, der an einer der beiden inneren Schichten angebracht ist und über einen vergleichsweise kleinen Steuerstrom das Zünden der Struktur auslöst. Thyristoren werden für Sperrspannungen von wenigen hundert Volt bis zu mehreren Kilovolt und für Ströme von wenigen Ampere bis zu mehreren tausend Ampere gefertigt und gehören damit zu den leistungsfähigsten heute verfügbaren Halbleiterschaltern.