1. Gezielter Durchbruch als Funktionsprinzip
Während normale Dioden stets so betrieben werden, dass ein Durchbruch in Sperrrichtung unter allen Umständen vermieden wird – ein solcher Durchbruch würde bei einer gewöhnlichen Gleichrichterdiode meist zur thermischen Zerstörung führen –, sind Zener- und Avalanche-Dioden gezielt dafür ausgelegt, kontrolliert, reversibel und zerstörungsfrei im Durchbruchbereich zu arbeiten. Die Diode wird bewusst in Sperrrichtung betrieben, und die charakteristische, sehr steile Kennlinie im Durchbruchbereich macht sie zu einem nahezu idealen Spannungsbegrenzer: Über einen weiten Strombereich bleibt die Spannung am Bauelement nahezu konstant.
Je nach Dotierungshöhe des pn-Übergangs liegen dabei zwei unterschiedliche physikalische Mechanismen zugrunde, die sich in ihrer Feldstärkeabhängigkeit deutlich unterscheiden: Bei stark dotierten Übergängen mit Durchbruchspannungen unterhalb von etwa 5 V dominiert der Zener-Effekt, bei schwächer dotierten Übergängen mit höheren Durchbruchspannungen von einigen Volt bis zu mehreren hundert Volt der Avalanche-Effekt. Verwirrenderweise werden nahezu alle kommerziell erhältlichen Bauteile unabhängig vom tatsächlich dominierenden Mechanismus als "Zener-Diode" verkauft und bezeichnet – die meisten Typen oberhalb von etwa 6 V arbeiten trotz des Namens tatsächlich über den Avalanche-Mechanismus, während echte Zener-Dioden im eigentlichen physikalischen Sinn nur den unteren Spannungsbereich abdecken.