1. Das SR-Latch: die einfachste bistabile Kippstufe
Die einfachste bistabile Kippstufe lässt sich aus zwei über Kreuz rückgekoppelten NOR- oder NAND-Gattern aufbauen und wird als SR-Latch (Set-Reset-Latch) bezeichnet. Bei der NOR-Variante hält die Schaltung ihren Zustand, solange beide Eingänge S (Set) und R (Reset) auf 0 liegen; ein High-Pegel an S setzt den Ausgang Q auf 1, ein High-Pegel an R setzt ihn auf 0, und die Kombination S=R=1 ist als verbotener Zustand definiert, da dabei beide Ausgänge Q und das invertierte Q̄ gleichzeitig auf 0 fallen und der nachfolgende Zustand beim gemeinsamen Zurückschalten auf 0 unbestimmt ist – welches der beiden Gatter zuerst "gewinnt", hängt von winzigen Laufzeitunterschieden ab.
Die namensgebende Rückkopplung entsteht dadurch, dass der Ausgang jedes Gatters auf den Eingang des jeweils anderen zurückgeführt wird: Ein einmal gesetzter Zustand hält sich selbst, da beide Gatter sich gegenseitig "stützen", solange S und R auf 0 bleiben – genau dieses Prinzip der positiven Rückkopplung liegt auch den in späteren Abschnitten behandelten Latches und Flip-Flops zugrunde. Eine gleichwertige NAND-basierte Variante, bei der die Eingänge S̄ und R̄ aktiv-low arbeiten, ist in der Praxis ebenso verbreitet, etwa zur Entprellung mechanischer Schalter, wo ein einzelner Tastendruck trotz mehrfachen Kontaktprellens nur eine einzige, saubere Zustandsänderung erzeugen soll.
Das SR-Latch bildet damit das einfachste Element, das sich einen einzelnen Bit-Zustand "merken" kann, ohne dass dafür ein Taktsignal nötig ist – es reagiert unmittelbar (asynchron) auf Änderungen an S und R, was es zugleich anfällig für kurze Störimpulse macht. Ergänzt man die Eingänge um ein Taktsignal und eine Torschaltung, die S und R nur während einer aktiven Taktphase durchlässt, entsteht daraus ein getaktetes SR-Latch – die Vorstufe zu den in den folgenden Abschnitten behandelten taktflankengesteuerten Flip-Flops.