1. Dynamische Verlustleistung
Die dynamische Verlustleistung entsteht beim Umladen der parasitären Lastkapazität eines Gatters während eines Schaltvorgangs und wird durch Pdyn = α · CL · VDD2 · f beschrieben, wobei CL die Lastkapazität, VDD die Versorgungsspannung, f die Taktfrequenz und α die Schaltaktivität ist, also der Anteil der Taktzyklen, in denen das Gatter tatsächlich umschaltet und die in typischen Logikschaltungen bei etwa 0,1 bis 0,3 liegt. Für ein Gatter mit CL = 1 fF, VDD = 0,8 V, f = 2 GHz und α = 0,2 ergibt sich eine dynamische Verlustleistung von rund 0,26 µW – multipliziert mit mehreren hundert Millionen Gattern eines modernen Chips wird daraus schnell eine Gesamtleistung im Watt-Bereich. Da die Verlustleistung quadratisch mit der Versorgungsspannung wächst, ist die Absenkung von VDD eines der wirksamsten Mittel zur Reduktion der dynamischen Leistungsaufnahme, wird jedoch durch die notwendige Mindestspannung für zuverlässiges Schalten begrenzt.
Zur dynamischen Verlustleistung zählt neben der eigentlichen Umladeleistung auch die Kurzschlussleistung, die während der endlichen Anstiegs- und Abfallzeit eines Signals entsteht, wenn PMOS- und NMOS-Pfad eines CMOS-Gatters kurzzeitig gleichzeitig leiten und die je nach Flankensteilheit 10 bis 20 % der gesamten dynamischen Verlustleistung ausmachen kann. Sie lässt sich durch möglichst steile Signalflanken, also eine ausreichende Treiberstärke der vorangehenden Stufe, gering halten.