1. Die Badewannenkurve und der Zweck des Burn-in
Die Ausfallrate elektronischer Bauelemente über der Betriebszeit folgt typischerweise der sogenannten Badewannenkurve: Zu Beginn der Nutzungsdauer treten gehäuft Frühausfälle durch Fertigungsdefekte auf (fallende Ausfallrate), es folgt eine lange Phase konstant niedriger Zufallsausfälle – häufig angegeben in FIT (Failures In Time, Ausfälle pro 109 Bauteilstunden) und typischerweise im Bereich weniger bis einiger hundert FIT für qualifizierte Halbleiterbauelemente –, bevor gegen Ende der Lebensdauer Verschleißausfälle durch Alterungsmechanismen wie Elektromigration, TDDB oder BTI die Ausfallrate wieder ansteigen lassen.
Burn-in bezeichnet einen Stresstest, bei dem Bauelemente für einen definierten Zeitraum, häufig 24 bis 168 Stunden, unter erhöhter Spannung und Temperatur betrieben werden, um die Frühausfallphase der Badewannenkurve vorwegzunehmen und defektbehaftete Bauteile vor der Auslieferung an den Kunden auszusortieren. Da Burn-in Kosten und Testzeit verursacht, wird er meist gezielt für Anwendungen mit hohen Zuverlässigkeitsanforderungen wie Automotive- oder Industrieelektronik eingesetzt, während er bei Consumer-Produkten mit ausgereiften, gut beherrschten Prozessen häufig durch statistische Stichprobenverfahren ersetzt wird.