1. Elektromigration
Elektromigration bezeichnet den Materialtransport in einem Metallleiter, der durch den Impulsübertrag driftender Leitungselektronen auf die Metallionen des Kristallgitters verursacht wird (Elektronenwind). Bei den hohen Stromdichten moderner Verdrahtungsebenen von mehreren MA/cm² wandern Metallatome bevorzugt entlang von Korngrenzen in Stromrichtung, wodurch sich auf der Anodenseite Material anhäuft (Hillocks) und auf der Kathodenseite Leerstellen zu Hohlräumen (Voids) koaleszieren, die den Leiterquerschnitt bis zur vollständigen Unterbrechung verengen können.
Die mittlere Lebensdauer einer Leiterbahn bis zum elektromigrationsbedingten Ausfall wird durch die empirische Black-Gleichung MTTF = A · J-n · eEa/(k·T) beschrieben, wobei J die Stromdichte, T die Temperatur, Ea die Aktivierungsenergie, k die Boltzmann-Konstante und der Stromdichteexponent n typischerweise nahe 2 liegt. Für Aluminiumverdrahtung liegt die zulässige Designstromdichte meist im Bereich von 1 bis 2 MA/cm² bei einer Aktivierungsenergie von etwa 0,5 bis 0,7 eV entlang der Korngrenzen; Kupfer erreicht dank einer Aktivierungsenergie von rund 0,7 bis 1,1 eV und einer geringeren Selbstdiffusion eine um ein Vielfaches höhere Elektromigrationsfestigkeit bei gleicher Stromdichte. Diese Verbesserung war einer der wesentlichen Treiber für die Einführung der Kupfertechnologie in den 1990er-Jahren, da sie höhere Stromdichten bei gleichzeitig sinkenden Leiterbahnquerschnitten überhaupt erst zuverlässig ermöglichte.