Halbleitertechnologie von A bis Z

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EU-Chipstrategie im Widerspruch zur eigenen KI-Offensive

31. August 2026

Die Europäische Union verfolgt mit ihrem Chips Act das Ziel, den weltweiten Anteil an der Halbleiterproduktion deutlich zu steigern. Der ursprünglich für 2030 angepeilte Marktanteil von 20 Prozent gilt laut Europäischem Rechnungshof inzwischen als unrealistisch; aktuelle Prognosen der EU-Kommission gehen eher von rund 11,7 Prozent aus. Gleichzeitig treibt Brüssel den Aufbau von KI-Infrastruktur voran: 19 geplante KI-Fabriken, bis zu sieben Gigafactories und eine geplante Verdreifachung der Rechenzentrumskapazität sollen Europas Position in der KI-Entwicklung stärken.

Genau hier liegt der Widerspruch, den Beobachter zunehmend kritisch bewerten. Der Betrieb dieser KI-Infrastruktur erfordert enorme Mengen an fortschrittlichen Beschleunigern, die fast ausschließlich von Nvidia stammen – entworfen in den USA, gefertigt in Taiwan oder Südkorea. Nach Schätzungen des Centre for European Policy Studies benötigt allein eine einzelne Gigafactory mindestens 100.000 High-End-GPUs. Damit droht Europa, seine digitale Infrastruktur zwar physisch im eigenen Hoheitsgebiet zu betreiben, technologisch aber noch enger an einen einzigen außereuropäischen Anbieter und dessen Software-Ökosystem (CUDA) zu binden.

Schwachstellen entlang der gesamten Lieferkette

Die Abhängigkeiten beschränken sich nicht auf GPUs. Bei der Fertigung modernster Logikchips dominiert Taiwan mit einem Anteil von rund 90 Prozent, während Europa im Bereich Assembly, Test und Packaging nur etwa vier Prozent Marktanteil hält – ohne ein einziges der zwanzig weltweit größten Unternehmen dieses Segments im eigenen Raum. Auch bei kritischen Vormaterialien bestehen erhebliche Abhängigkeiten von China. Europas Stärken, etwa ASMLs Vormachtstellung bei EUV-Lithografiesystemen oder die Forschungskompetenz von Imec, reichen laut Fachleuten nicht aus, um daraus eine durchgängige Kontrolle der Wertschöpfungskette abzuleiten.

Der geplante Chips Act 2.0 soll deshalb nicht nur angebotsseitig ansetzen, sondern gezielt Nachfrage in Europa bündeln – etwa durch öffentliche Beschaffung und engere Kopplung von Chipherstellern und industriellen Abnehmern. Experten mahnen jedoch, dass echte Resilienz nicht durch vollständige Autarkie erreichbar ist, sondern durch Diversifizierung von Lieferanten und Technologien. Entscheidend wird sein, ob die neue Gesetzesinitiative tatsächlich neue Abhängigkeiten vermeidet oder lediglich die bestehende Bindung an asiatische Fertigung durch eine noch engere Bindung an US-amerikanische KI-Technologie ersetzt.

Quelle: IEEE Spectrum Semi

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