1. Einordnung
CMOS-Technologie und der Bipolartransistor stehen für zwei grundverschiedene Wege, elektrische Signale zu steuern und zu verstärken. Während der Bipolartransistor über Jahrzehnte die Digitaltechnik dominierte (TTL-Logik), hat ihn der Feldeffekttransistor in Form der CMOS-Technologie seit den 1980er-Jahren nahezu vollständig verdrängt – nicht weil er grundsätzlich „besser" ist, sondern weil seine Eigenschaften besser zur Massenintegration passen. In Analog-, Hochfrequenz- und Leistungsanwendungen bleibt der Bipolartransistor dagegen bis heute relevant.
Der eigentliche Grund für diesen Technologiewechsel liegt weniger in einzelnen Bauelementeeigenschaften als in der Systemebene: Digitale Schaltungen bestehen aus Millionen bis Milliarden einzelner Transistoren, und dort entscheidet vor allem die Verlustleistung pro Schaltvorgang sowie die erreichbare Packungsdichte über die Praxistauglichkeit einer Technologie. CMOS bietet hier, wie die folgenden Absätze zeigen, entscheidende Vorteile bei nahezu verlustfreiem Ruhezustand und einfacherer Skalierbarkeit. Bipolartransistoren wiederum spielen ihre Stärken dort aus, wo es auf hohe Stromtreiberfähigkeit, geringes Rauschen oder hohe Grenzfrequenzen ankommt – Eigenschaften, die in der Digitaltechnik zweitrangig sind, in Analog- und HF-Schaltungen aber weiterhin den Ausschlag geben. Die folgenden Absätze vergleichen beide Bauelementefamilien im Detail: zunächst das grundlegende Funktionsprinzip, dann Verlustleistung und Schaltverhalten, schließlich Integrationsdichte und Skalierbarkeit.