DRAM-Fertigung: der Trench-Kondensator-Prozess

Abschnittsübersicht

1. Allgemeiner Aufbau und Funktionsweise

Kurz vorab: Die DRAM-Zelle

Wie eine DRAM-Zelle als 1T1C-Speicher aus Zugriffstransistor und Kondensator arbeitet, warum die Ladung periodisch aufgefrischt werden muss und wie Wortleitung und Bitleitung dabei zusammenspielen, ist im Kapitel Die DRAM-Zelle beschrieben. Dieses Kapitel widmet sich ausschließlich der Fertigung – konkret dem Trench-Kondensator-Prozess.

Zwei Wege zum selben Ziel: Stack versus Trench

Die Herausforderung beim Zellenentwurf ist rein geometrisch: Ein Kondensator braucht Fläche, um genügend Ladung für ein zuverlässig auslesbares Signal zu speichern – typischerweise im Bereich einiger Femtofarad. Mit jedem neuen Technologieknoten schrumpft die verfügbare Zellfläche jedoch weiter, während die nötige Kapazität nahezu konstant bleibt. Die Fertigungsindustrie hat dieses Problem auf zwei grundlegend verschiedene Weisen gelöst.

Der Stapel-Kondensator (Stack-Kondensator, dominant bei Samsung, SK Hynix und Micron) baut die benötigte Fläche vertikal oberhalb des Zugriffstransistors auf: Zylindrische oder kronenförmige Elektrodenstrukturen türmen sich über der Waferoberfläche auf und können bei Bedarf – innerhalb der Grenzen der Lithografie und Ätztechnik – nahezu beliebig hoch werden.

Der Trench-Kondensator (Graben-Kondensator, historisch von IBM entwickelt und u. a. bei Infineon/Qimonda eingesetzt) verlagert dieselbe Fläche stattdessen nach unten: Ein tiefer, schmaler Graben wird mehrere Mikrometer in das Substrat geätzt, und die Kondensatorelektroden liegen als konzentrische Zylinderflächen an dessen Wänden. Der große Vorteil dieses Ansatzes liegt in der Prozessreihenfolge: Der Graben – der aufwendigste und kritischste Teil der Fertigung – entsteht bereits vor dem Zugriffstransistor, wodurch der Transistor selbst am Ende einer nahezu ebenen Waferoberfläche gefertigt wird, ohne die hohen Stufen eines fertigen Stapel-Kondensators überwinden zu müssen.

Das folgende Diagramm stellt beide Bauformen im Querschnitt gegenüber, bevor die folgenden Abschnitte den vollständigen Trench-Prozess Schritt für Schritt aufbauen.

Stack-Kondensator vs. Trench-Kondensator im Querschnittsvergleich

2. Herstellung des Trench-Kondensators

Vom flachen Wafer zum tiefen Graben

Der Trench-Kondensator-Prozess beginnt, bevor auch nur ein Transistor existiert – der Graben wird als allererste Struktur in den noch völlig unbearbeiteten Wafer geätzt. Diese Reihenfolge ist kein Zufall: Der aufwendigste, kritischste Teil der gesamten Zellfertigung soll auf einer perfekt ebenen Oberfläche stattfinden, ohne durch bereits vorhandene Transistor- oder Verdrahtungsstrukturen behindert zu werden.

Schritt 1 – Pad-Oxid und Pad-Nitrid: Auf das p-dotierte Silizium-Substrat wird zunächst eine dünne thermische Oxidschicht (Pad-Oxid) aufgewachsen, die als Pufferschicht mechanische Spannungen zwischen Substrat und der folgenden Nitridschicht abbaut. Direkt darüber wird eine deutlich dickere Siliziumnitrid-Schicht (Pad-Nitrid) abgeschieden. Dieser Schichtstapel dient im nächsten Schritt als Hartmaske für die Grabenätzung und muss dafür so strukturiert werden, dass er nur an der vorgesehenen Trench-Position eine Öffnung freigibt.

Schritt 1: Pad-Oxid und Pad-Nitrid auf dem Substrat

Schritt 2 – Deep-Trench-Ätzung: Durch die geöffnete Hartmaske ätzt ein hochanisotroper RIE-Prozess einen schmalen, mehrere Mikrometer tiefen Graben in das Substrat. Das Aspektverhältnis (Verhältnis von Tiefe zu Breite) liegt bei modernen Trench-Zellen typischerweise bei 50:1 oder höher – eine der anspruchsvollsten Ätzaufgaben der gesamten Halbleiterfertigung, da die Seitenwände über die gesamte Tiefe gleichmäßig senkrecht und glatt bleiben müssen.

Schritt 2: Deep-Trench-Ätzung durch den Pad-Stack in das Substrat

Die Kondensatorelektroden entstehen

Schritt 3 – Buried Plate: Die untere, tiefere Region der Grabenwand wird mit einer Arsen-dotierten Glasschicht (Arsenglas) beschichtet, aus der der Dotierstoff bei erhöhter Temperatur in die angrenzende Siliziumwand eintreibt. So entsteht die Buried Plate – eine hoch n-dotierte Zone, die als äußere, mit allen Zellen eines Arrays gemeinsam verbundene Kondensatorelektrode dient (vergleichbar mit der „Ground Plate" eines klassischen Kondensators).

Schritt 3: Buried Plate als äußere Kondensatorelektrode in der Grabenwand

Schritt 4 – Node-Dielektrikum: Über die gesamte Grabentiefe wird nun eine wenige Nanometer dünne, konforme Dielektrikumsschicht abgeschieden – meist ein Nitrid-Oxid-Schichtstapel. Sie trennt die im nächsten Schritt folgende innere Elektrode von der Buried Plate und bestimmt zusammen mit der Grabenwandfläche maßgeblich die erreichbare Kapazität der Zelle.

Schritt 4: dünnes Node-Dielektrikum entlang der gesamten Grabenwand

Schritt 5 – Erste Poly-Füllung: Dotiertes Polysilizium füllt den verbleibenden Graben vollständig auf. Dieses „Storage-Node-Poly" bildet zusammen mit dem Node-Dielektrikum und der Buried Plate den eigentlichen Kondensator: Die auf dem Poly gespeicherte Ladung repräsentiert den Zustand des gespeicherten Bits.

Schritt 5: erste Polysilizium-Füllung als Storage-Node-Elektrode

Der obere Grabenbereich: Collar und Buried Strap

Schritt 6 – Poly-Rückätzung: Das Storage-Node-Poly wird gezielt zurückgeätzt, sodass es nur noch den unteren, von der Buried Plate umgebenen Grabenabschnitt ausfüllt. Der obere Grabenbereich – dort, wo später der Zugriffstransistor direkt neben dem Graben sitzen wird – bleibt zunächst wieder offen.

Schritt 6: Poly-Rückätzung auf definierte Tiefe

Schritt 7 – Collar-Oxid: Im freigelegten oberen Grabenabschnitt wird das dünne Node-Dielektrikum entfernt und durch eine deutlich dickere Oxidschicht ersetzt, den Collar. Ohne dieses dicke Oxid würde die spätere Wordline-Spannung entlang der oberen Grabenwand einen parasitären, ungewollten Transistor aufsteuern können, der Ladung am eigentlichen Zugriffstransistor vorbei abfließen ließe. Der Collar unterdrückt diesen Leckpfad zuverlässig.

Schritt 7: dickes Collar-Oxid im oberen Grabenbereich

Schritt 8 – Buried Strap: Eine zweite Polysilizium-Abscheidung füllt den durch den Collar verengten oberen Grabenabschnitt vollständig auf. Dieser sogenannte Buried Strap stellt die elektrische Verbindung zwischen dem tief liegenden Storage-Node-Poly und der späteren Source/Drain-Diffusion des Zugriffstransistors an der Waferoberfläche her – ohne ihn bliebe der Kondensator vom Transistor elektrisch isoliert.

Schritt 8: zweite Poly-Füllung als Buried Strap

Schritt 9 – Planarisierung: Ein abschließender CMP- und Ätzschritt trägt überschüssiges Poly sowie die komplette Pad-Nitrid/Pad-Oxid-Hartmaske ab und stellt eine wieder nahezu plane Waferoberfläche her. Der Trench-Kondensator ist damit vollständig fertiggestellt und wartet, bündig mit der Substratoberfläche abschließend, auf den Zugriffstransistor – dessen Herstellung der nächste Abschnitt beschreibt.

Schritt 9: Planarisierung und Entfernen der Hartmaske

Kapitel weiterlesen

Die weiteren Abschnitte dieses Kapitels sind Teil der einmaligen Freischaltung. Du erhältst Zugang zu allen Wissenskapiteln und sämtlichen PDF-Downloads.

1,99 € einmalig · kein Abo

Alle Inhalte freischalten

Bereits gekauft? Zugang wiederherstellen