Laut einem Berater des Unternehmens, dem ehemaligen Fiat-Chrysler-Manager Alfredo Altavilla, verfolgt BYD in Europa eine langfristige Expansionsstrategie mit insgesamt vier Produktionsstätten. Geplant sind drei Werke zur Fahrzeugmontage sowie eine separate Fabrik zur Fertigung von EV-Batterien. Damit reagiert der chinesische Hersteller auf die zunehmenden Handelsbeschränkungen der Europäischen Union, die im Zuge des Streits um Überkapazitäten und staatliche Subventionen chinesischer Autobauer verschärfte Ausgleichszölle auf importierte Elektrofahrzeuge eingeführt hat.
Durch eine lokale Fertigung in Europa könnte BYD diese Zölle umgehen und gleichzeitig die Anforderungen an lokalen Wertschöpfungsanteil erfüllen, die viele europäische Länder und die EU selbst zunehmend an Hersteller stellen, die vom europäischen Markt profitieren wollen. Für die Halbleiter- und Batteriezulieferkette in Europa würde ein solches Investment neue Möglichkeiten eröffnen, insbesondere im Bereich der Leistungselektronik und Batteriezellfertigung, die eng mit lokalen Zulieferern für Leistungshalbleiter, Sensorik und Batteriemanagementsysteme verknüpft ist.
Die genaue Standortwahl sowie der Zeitplan für die Umsetzung sind noch nicht abschließend festgelegt, doch das Vorhaben unterstreicht den wachsenden Trend chinesischer Automobilhersteller, ihre internationale Fertigungspräsenz auszubauen, um geopolitische und handelspolitische Risiken zu diversifizieren. Für die europäische Industrie könnte dies sowohl Chancen für neue Zulieferaufträge als auch verstärkten Wettbewerbsdruck auf etablierte Automobil- und Zulieferunternehmen bedeuten.