Accellera Systems Initiative hat den Functional Safety Language Standard 1.0 zur Veröffentlichung freigegeben. Mit FSL 1.0 soll es einfacher werden, sicherheitsrelevante Informationen in der Halbleiterentwicklung zuverlässig zwischen Tools, Teams und Unternehmen auszutauschen. Der Standard definiert dafür eine gemeinsame Sprache und ein Datenmodell, das funktionale Sicherheitsdaten über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg erfassen, austauschen und integrieren kann.
Hintergrund ist, dass Sicherheitsanalysen heute oft über eine verlängerte Lieferkette laufen: Ein IP1. image placement2. Internet protocolSchnittstellen- oder Kommunikationskonzept für die Übertragung von Daten zwischen Geräten und Systemen.3. Intellectual PropertyIm Halbleiterkontext bezeichnet IP lizenzierbare Technologieblöcke für die Integration in Chips oder SoCs.-Lieferant entwickelt eine Komponente, ein Halbleiterunternehmen integriert sie in einen Chip, und ein Systemhersteller baut daraus ein größeres Produkt. In jeder dieser Stufen werden Informationen zu Annahmen, Einschränkungen und Fehlermodi benötigt, damit sich bewerten lässt, wie Ausfälle das Gesamtsystem beeinflussen können.
Bisher geschieht dieser Übergang häufig über Tabellenkalkulationen, proprietäre Datenbanken und inkompatible Formate. Dabei gehen Zeit für manuelle Abstimmungen und das Wiederherstellen von Beziehungen zwischen Datensätzen verloren. Vor allem aber steigt bei jeder Konvertierung das Risiko, dass Details fehlen oder unterschiedlich interpretiert werden.
FSL 1.0 konzentriert sich auf FMEDA (failure modes, effects, and diagnostic analysis). Erfasst werden unter anderem Fehlermodi, Auswirkungen, Sicherheitsmechanismen, Technologieinformationen und Sicherheitsanforderungen sowie Zuordnungen zwischen Sicherheitsdaten und Designrepräsentationen. Besonders relevant ist die Unterstützung hierarchischer FMEDAs: Komponentenanalysen können in Subsystem- und Systemanalysen einfließen, während die Daten entlang des Produkts weitergereicht werden.
Der Standard unterstützt sowohl annahmenbasierte als auch designzugeordnete FMEDA-Ansätze. Damit kann eine Analyse schon beginnen, bevor alle Implementierungsdetails feststehen, und später mit dem Projektfortschritt verfeinert werden. Außerdem lässt sich die angenommene diagnostische Abdeckung mit Ergebnissen aus Verifikation und Fault-Injection-Aktivitäten aktualisieren.
Technisch setzt FSL auf Tcl-basierte Syntax, um maschinelle Verarbeitung und automatisierte Workflows zu erleichtern. Zusätzlich unterstützt das Format Berechnung und Berichtswesen zu sicherheitsbezogenen Ausfallraten und Kennzahlen im Kontext von ISO 26262 und IECinfused emitter coupling 61508. Die Anforderungen dieser Normen bleiben davon unberührt; FSL 1.0 ersetzt weder die Normen noch belegt es allein eine Konformität.
Für den praktischen Einsatz ist entscheidend, dass sich Sicherheitsinformationen konsistent zwischen Design, Verifikation und Safety Engineering abgleichen lassen. FSL 1.0 soll dabei helfen, fehlende Zuordnungen aufzuspüren, Änderungen nachvollziehbar zu halten und die Übernahme von Informationen über IP1. image placement2. Internet protocolSchnittstellen- oder Kommunikationskonzept für die Übertragung von Daten zwischen Geräten und Systemen.3. Intellectual PropertyIm Halbleiterkontext bezeichnet IP lizenzierbare Technologieblöcke für die Integration in Chips oder SoCs.-, Chip- und Systemebenen hinweg zu vereinfachen. Ob sich dieser Nutzen durchsetzt, hängt nun von kompatiblen Tool-Implementierungen und belastbaren Austauschprozessen ab.
Accellera zielt mit dem Standard auf Interoperabilität über Entwicklungsaktivitäten und Lieferkettenstufen hinweg. Der eigentliche Mehrwert entsteht dort, wo Sicherheitsdaten nicht mehr neu aufgebaut, sondern in einer gemeinsamen Struktur weiterverwendet werden können.