Vom Bauchgefühl zur datengetriebenen Entwicklung: KI im Engineering-Prozess

3. September 2026

Vom Bauchgefühl zur datengetriebenen Entwicklung: KI im Engineering-Prozess

Bild: ChatGPT

Die Entwicklung komplexer Halbleiterprodukte erfordert unzählige Entscheidungen entlang der gesamten Prozesskette – von der Architekturwahl über Prozessparameter bis zur Verifikation. Traditionell stützen sich Ingenieure dabei stark auf Erfahrungswissen, Faustregeln und iterative Testläufe. Mit wachsender Komplexität der Designs und der Fertigungsprozesse stößt dieser Ansatz jedoch zunehmend an Grenzen, da die Zahl der Einflussgrößen und möglichen Kombinationen exponentiell steigt.

Ein systematischerer Weg besteht darin, Entwicklungsentscheidungen als Optimierungsprobleme zu formulieren, die sich mit mathematischen Methoden und simulationsgestützten Verfahren lösen lassen. Dabei werden Zielgrößen wie Leistungsaufnahme, Durchsatz, Ausbeute oder Zuverlässigkeit explizit modelliert, und der Entscheidungsraum wird systematisch durchsucht statt punktuell getestet. Dies erlaubt es, Trade-offs quantitativ abzuwägen, anstatt sich auf Intuition zu verlassen.

Von Optimierung zu lernenden Systemen

Der nächste Schritt besteht darin, diese Optimierungsansätze mit maschinellem Lernen zu verknüpfen. Statt jedes Problem von Grund auf neu zu modellieren, können KIArtificial IntelligenceKI bezeichnet Verfahren, die Aufgaben durch datengetriebene Modelle automatisieren.-Modelle aus historischen Daten und vergangenen Entwicklungszyklen lernen, um Vorhersagen zu treffen, Muster zu erkennen und Optimierungsprozesse zu beschleunigen. Dadurch verschiebt sich die Rolle der Ingenieure zunehmend hin zur Definition von Zielen und Randbedingungen, während das System selbst geeignete Lösungswege vorschlägt oder bewertet.

Diese Entwicklung hat weitreichende Implikationen für Design- und Fertigungsprozesse in der Halbleiterindustrie, da sie helfen kann, Entwicklungszyklen zu verkürzen und Fehlentscheidungen frühzeitig zu vermeiden. Gleichzeitig erfordert die Einführung solcher Methoden ein Umdenken in der Organisation von Engineering-Teams, da Datenverfügbarkeit, Modellvalidierung und Interpretierbarkeit der Ergebnisse neue Anforderungen an Prozesse und Werkzeuge stellen.

Quelle: Semiconductor Engineering

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